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Ivo S.
Ivo S.

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5 Fragen, die jedes Webdesign-Projekt retten (und warum ich sie VOR dem ersten Pixel stelle)

Kennst du das? Ein Kunde kommt zu dir und sagt: "Ich brauche eine moderne Website." Klingt erstmal simpel, oder? Spoiler: Ist es nicht.

Die meisten Webprojekte scheitern nicht, weil der Code buggy ist oder das Design nicht passt. Sie scheitern, weil niemand die richtigen Fragen gestellt hat. Weil alle schon über Farben diskutieren, während das "Warum" noch im Nebel schwebt.

Nach Jahren als Webdesigner habe ich gelernt: Die Discovery-Phase ist nicht das langweilige Vorspiel – sie ist der eigentliche Game-Changer. Und genau deshalb will ich dir heute zeigen, welche fünf Fragen ich IMMER stelle, bevor ich auch nur einen einzigen Design-Entwurf anrühre.

Ein Balkendiagramm, das auf einer Seite

Warum die Discovery-Phase kein "Nice-to-have" ist

Okay, ich gebe zu: Die Discovery-Phase fühlt sich manchmal an wie eine Bremse. Alle wollen endlich "loslegen", endlich etwas Sichtbares sehen. Aber genau hier entscheidet sich, ob dein Projekt später smooth läuft oder im totalen Chaos versinkt.

Wenn jemand sagt "Ich brauche eine moderne Website", dann ist das kein Briefing. Das ist ein Symptom. Die eigentliche Anforderung könnte sein: "Meine Konkurrenz bekommt mehr Anfragen als ich" oder "Ich verliere Kunden, weil meine Seite auf dem Handy aussieht wie aus den 90ern."

Die Discovery-Phase ist der Moment, in dem du vom bloßen Dienstleister zum echten Partner wirst. Hier klärst du nicht nur, WAS gebaut werden soll – sondern WARUM, für WEN, und was Erfolg überhaupt bedeutet.

Die Perfektionismus-Falle (in die ich selbst gerne tappe 🥲)

Ein häufiger Fehler: Die Discovery-Phase wird zur endlosen Analyse-Schleife. Monate vergehen mit Workshops, Personas und Strategiepapieren. Das Gegenteil von "keine Discovery" ist nicht "unendliche Discovery".

Die Kunst liegt darin, die richtigen Fragen zu stellen – und dann tatsächlich Entscheidungen zu treffen. Ein guter Kickoff-Workshop dauert zwei bis vier Stunden. Ein gutes Briefing-Dokument umfasst drei bis fünf Seiten. Mehr ist oft Prokrastination in professionellem Gewand.

Die 5 kritischen Fragen (die alles verändern)

1. "Für wen ist diese Webseite wirklich?"

Diese Frage klingt banal, aber die Antwort ist es selten. Oft stellt sich heraus, dass niemand im Unternehmen eine klare Antwort hat. Und das allein ist schon eine wertvolle Erkenntnis.

Eine Webseite für bestehende Kunden funktioniert völlig anders als eine für Erstbesucher. Eine für Endkunden anders als eine für B2B-Entscheider. Jemand, der "Webdesign Waldshut" googelt, ist an einem anderen Punkt als jemand, der direkt die URL eintippt.

Die Informationsarchitektur muss diese verschiedenen Einstiegspunkte berücksichtigen. Nicht jeder startet auf der Homepage – und das ist auch okay so.

2. "Was soll die Seite erreichen – und für wen?"

"Wir wollen mehr Anfragen" ist ein Ziel. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte: Warum sollten Nutzer anfragen? Was ist ihr Grund, ihre Motivation, ihr Problem?

Erfolgreiche Webseiten balancieren Business-Ziele und Nutzerziele. Sie verkaufen, ohne aufdringlich zu sein. Sie informieren, ohne zu langweilen. Sie führen, ohne zu drängen.

Hier ein Reality-Check: KPIs müssen zum Geschäftsmodell passen. Für einen Online-Shop sind andere Metriken relevant als für eine Handwerker-Webseite oder ein Startup. Newsletter-Anmeldungen, PDF-Downloads, Scroll-Tiefe – diese Micro-Conversions sind keine Ablenkung vom Hauptziel. Sie sind der Weg dorthin.

3. "Wo ist der Content – wirklich?"

Design ohne Content ist Dekoration. Aber Content zu bekommen ist oft die größte Hürde im ganzen Projekt.

"Texte liefern wir" klingt einfach. Drei Wochen später kommt eine Word-Datei mit zwei Absätzen und dem Hinweis "Kannst du das nicht schöner formulieren?" (Spoiler: Nein, kann ich nicht. Ich bin kein Texter, ich bin Designer.)

Diese Fragen klingen langweilig, aber sie entscheiden über Projekterfolg:

  • Wer schreibt die Texte?
  • Wer fotografiert die Bilder?
  • Wer ist verantwortlich für Freigaben?
  • Bis wann liegt alles vor?

Unklare Verantwortlichkeiten führen zu Verzögerungen, Frust, und am Ende zu halbfertigen Webseiten. Deshalb biete ich zum Beispiel professionelle Fotografie als Teil meiner Webdesign-Services an – weil Content nicht nur Text ist.

4. "Was ist NICHT Teil des Projekts?"

Scope Creep ist der schleichende Tod von Webprojekten. "Könnten wir nicht noch schnell...?" – und plötzlich ist aus der fünfseitigen Webseite ein Portal mit Shop, Blog und Mitgliederbereich geworden.

Diese Grenzen müssen vor Projektstart klar sein. Nicht als Abwehr, sondern als Orientierung für alle Beteiligten:

  • Wie viele Seiten sind inkludiert?
  • Welche Features sind drin, welche nicht?
  • Was passiert bei Änderungswünschen?
  • Wie sieht der Change-Request-Prozess aus?

Ein guter Change-Request-Prozess macht die Konsequenzen transparent. Nicht um Änderungen zu verhindern, sondern um informierte Entscheidungen zu ermöglichen.

5. "Wie treffen wir Entscheidungen?"

Webprojekte sind Teamsport. Selbst wenn du als Solopreneur arbeitest – auf der anderen Seite sind Menschen mit Meinungen, Erwartungen, Hierarchien.

Die klassische RACI-Matrix (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) klingt nach Corporate-Overhead. Aber sie verhindert, dass in Woche fünf plötzlich der Geschäftsführer alles über den Haufen wirft, weil er "noch gar nicht eingebunden war".

Wichtige Punkte:

  • Wer gibt Feedback?
  • Wer trifft finale Entscheidungen?
  • Wie läuft der Freigabeprozess?
  • Welche Kommunikationskanäle nutzen wir?

Unstrukturiertes Feedback ("Gefällt mir nicht so") ist der Albtraum jedes Designers. Strukturiertes Feedback ("Die Hierarchie der Headlines ist unklar, Nutzer finden die CTA nicht") ist Gold wert.

Ein Projektplan als illustrierte Roadmap mit verschiedenen Stationen (Discovery, Konzept, Design, Entwicklung, Launch), jede Station als Meilenstein mit kleinen Icons dargestellt, verbunden durch eine geschwungene Linie, die Fortschritt symbolisiert.

Was ich daraus gelernt habe

Webdesign-Projektplanung ist kein bürokratischer Overhead. Sie ist das Fundament, auf dem erfolgreiche Webseiten entstehen. Die Stunden, die du in die Discovery-Phase investierst, sparst du später zigfach.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Investiere Zeit in die Discovery-Phase, bevor du Pixel schiebst
  • Stelle die richtigen Fragen und höre wirklich zu
  • Kläre Ziele, Zielgruppen, Content und Prozesse transparent
  • Setze klare Grenzen gegen Scope Creep
  • Strukturiere die Zusammenarbeit von Anfang an

Projektkommunikation ist nicht das, was zwischen Design-Sprints passiert. Sie ist der rote Faden, der alles zusammenhält. Problemlösungsorientiertes Design beginnt mit Verstehen – nicht mit Photoshop.

Wenn du gerade ein Webprojekt planst – ob für dein eigenes Unternehmen oder als Dienstleister für Kunden – dann nimm dir die Zeit für eine ordentliche Planung. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.

Was sind eure Erfahrungen mit der Projektplanung? Welche Fragen stellt ihr am Anfang? Ich bin gespannt auf eure Kommentare! 👇

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